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Fotos: 

 

KABALE UND LIEBE 

Friedrich Schiller

 

Deutsches Nationaltheater in Weimar
Premiere am 19.03.05
Aufführungsdauer 2:30 h, 1 Pause

 

Regie: Grażyna Kania

Bühne: Vinzenz Gertler

Kostüme: Elina Schnizler

Musik: Laurent Simonetti †

Dramaturgie: Guido Neubert und Johannes Stein

 

BESETZUNG:

BENJAMIN PUCH Ferdinand von Walter, INA PIONTEK Luise Miller, JÖRG WIESBACH Präsident von Walter, ALEXANDER TESLA Wurm, DETLEF HEINTZE Musikmeister Miller, ELKE WIEDITZ Millerin, SOPHIA HARRISON Lady Millford, STEFAN WEY Hofmarschall von Kalb

 

PRESSE

THÜRINGER ALLGEMEINE ZEITUNG, 21.03.2005
Die Schillermaschine

Weimar: Grazyna Kania zeigt überzeugend, wie „Kabale und Liebe“ funktioniert 
Henryk Goldberg 
Die beiden gehen aufeinander zu und die Musik kommt wie von der Spieluhr. So klingen Karussells in Frankreich, kunstvolle Maschinen, auf denen kunstvolle Figuren kunstvoll bewegt werden. Später sind da große weiße Luftballons, wie schöne Seifenblasen. Hinten stehen schon all die anderen Figuren. Und die Maschine beginnt sich zu drehen und niemand wird sie aufhalten. (...) Die Bühne von Vinzenz Gertler ist weiß und leer, hell und bleich, die rechte Folie für eine luzide Aufführung, die Spannung schlägt aus ihrer analytischen Klarheit. (...) Eine klare Aufführung mit vielen Spannungsräumen. Es ist die Spannung des Labors. Es ist kaum je die Liebe, die uns bewegt, es ist das Staunen, wie gut geölt diese Maschine ist. 
Das Ensemble schien so gut disponiert wie lang nicht mehr: Wenn eine Theater-Maschine so gut geschmiert ist, dann wirft die Truppe keinen Sand ins Getriebe. (...) Ina Piontek findet ihren Höhepunkt und den des Abends, wenn Wurm ihr den Brief diktiert, den sie nicht schreibt, nur erleidet. Wie sie wieder fordert, schon das Sterben im Ton, immer „weiter“ wie sie das Kleid abstreift und schon den Tod schaut, in ein Irgendwo blickt, das sie entrückt, das Schlachtopfer, da ist der Abend sehr weit oben. Ferdinand, Marc Benjamin Puch, kein blutig liebender Jüngling, eine Figur, die tut, was sie tun muss, ein Gefangener seiner selbst, ein Mitverschulder. Wenn er Lady heiraten soll verkrümmt er sich veitstänzig, schreit, als zittere er das lange Echo der Figur seit 1784. Ein kindlichnaiver Trotz, seine Berechenbarkeit ist die Bedingung des Ganzen. (...) 
Eine klare, ausgearbeitete Inszenierung, ein Gewinn für das Haus.

 

THÜRINGER ALLGEMEINE ZEITUNG, 30.04.11    

Weimarer "Kabale und Liebe" erwies sich als echter Dauerbrenner

Michael Helbing

Die Wände im gräulichen Bühnenraum von Vinzenz Gertler erscheinen deutlich abgenutzt. Sie tragen die Patina einer Inszenierung, "die ich inzwischen mein Jugendwerk nennen könnte", so die Regisseurin. Grazyna Kania feierte soeben 40. Geburtstag. "Ich werde langsam zu alt für die Inszenierung", findet sie deshalb. Dennoch brachte die in Berlin lebende Polin vergangenen Februar nicht zum ersten Mal eine Woche in Weimar damit zu, sich mit dieser Arbeit von einst zu beschäftigen.

Vor der jüngsten Wiederaufnahme hatte es ihre "Kabale und Liebe", die im März 2005 Premiere feierte, bereits 58 Mal auf den Spielplan des Nationaltheaters geschafft. (...) Es ließe sich mit einiger Ironie also sagen, die Inszenierung wurde in der Zeitung überwiegend gelobt und wurde dennoch ein Erfolg.

Am Autor des Trauerspiels allein liegt das aber nicht einmal in Weimar. Denn "Kabale und Liebe" hat am DNT andere Schiller-Inszenierungen kommen und gehen sehen: Stephan Märkis "Maria Stuart" brachte es auf 23 Vorstellungen, Felix Ensslins "Räuber" auf 29, "Don Carlos" (wiederum Ensslin) auf 13, Wolfgang Engels "Fiesco zu Genua" auf 10. Indes eignet "Kabale und Liebe" als Text und in der gewitzten, temporeichen Weimarer Variante eine gewisse Massenkompatibiltät an. Zudem macht sich wohl der emanzipatorische Ansatz ganz gut in unserer Zeit: Denn Grazyna Kania inszenierte das Stück nach seinem Ursprungstitel, "Luise Millerin"; sie ließ damit die Titelfigur in den Fokus treten sowie am Ende ganz ihrer Selbst bewusst in den Tod gehen. (...)

Grazyna Kania sagt, sie sei längst zu weit weg von der Arbeit, um nochmal etwas Neues darin entwickeln zu können. Und sie vermag eine gewisse Erleichterung nicht verbergen, als sie hinzufügt, die Inszenierung werde ja nun zum Sommer endgültig abgespielt. Sie glaubt aber, das bis heute deren Niveau gehalten wurde. Und das ist auch das Beste, was sich dazu sagen lässt.

                                                                                                                                        

THÜRINGER LANDESZEITUNG, 21. 03. 2005

Jugend rebelliert gegen erstarrte Konventionen

„Kabale und Liebe“ in Weimar: radikal, poetisch, heutig.

LEIPZIGER  VOKSZEITUNG, 23. 03. 2005

Komm süßer Tod.

Thomas Bickelhaupt

(...) Grazyna Kania hat den altmodisch anmutenden Text auf das Wesentlichste gestutzt und gleichzeitig sprachlich etwas aufgefrischt. Den Akzent ihrer Regie setzt sie weniger auf den Clash von Adel und Bürgertum als vielmehr auf die individuelle Liebesgeschichte von Luise und Ferdinand. Während der Präsidentensohn in Erpressung eine Chance für ihre Liebe sieht, ist für die Tochter des Stadtmusikanten schon sehr bald klar, dass letztlich nur der Tod einen Ausweg aus ihrem vorgegebenen Schicksal bieten kann. Die Betonung dieser Haltung in der Figur Luisens gibt der Inszenierung eine zusätzliche Dimension, deren religiöser Aspekt nicht nur für das germanistische Oberseminar interessant sein dürfte. Auf der Bühne entfalten sich indes menschliche Leidenschaften in einem Meer von weißen Luftballons, mit denen die anfängliche Momente der Glückseligkeit der Liebenden stets präsent sind. Dabei hat die Regisseurin weder Angst vor modischem Neusprech noch vor Comedy und Slapstick.

                                                                                                                                       

OSTTHÜRINGER ZEITUNG, 21. 03. 2005

Ein Abend der Väter

Trauerspiel in tristem Grau: Premiere für Schillers „Kabale und Liebe“ am DNT in Weimar Sabine Wagner (...) Mit glaubhaften, differenzierten Spiel fechten sie (Die Väter, Detlef Heinze und Jörg Wisbach) ihren ganz persönlichen Kampf, den die Standesgrenzen längst entschieden haben und bei dem am Ende die Kabale über die Liebe siegen wird. Mit stoischer Sicherheit fädelt von Walter seine ehrgeizigen Pläne ein, die ebenso zum Scheitern verurteilt sind wie die Hoffnungen Millers auf das Glück seiner Tochter. Wie Heinze mit „Halten zu Gnaden“ seine ohnmächtige Wut und Verzweiflung dem Präsidenten ins Gesicht schleudert, an den Händen und Füßen zitternd, gehört zu den großen Szenen dieses Abends. (...) 

 

DRAMAZONE, 03. 2005

Schon Nena fand sie toll, die Luftballons

Sascha Förster

Nun scheinen auch Luise und Ferdinand, die Protagonisten von Schillers „Kabale und Liebe“, auf den Zug der Neuen Deutschen Welle aufzuspringen. Inmitten hunderter weißgrauer Luftballons inszeniert Grazyna Kania Schillers Drama am Deutschen Nationaltheater Weimar, als Auftakt zum 200. Todesjahr des deutschen Genius.

(...) Ein Theater der Spitzenklasse, weg vom Provinztheater, zum deutschlandweit anerkannten Musentempel. Wunderschön beginnt es – noch sind Gefühle im Spiel, etwas, das man im Laufe des Abend immer mehr vermissen wird – Ferdinand und Luise gehen aufeinander zu, um dann im Taumel ihrer Liebe zu tanzen. Dazu gibt es fantastische Musik von Laurent Simonetti, die er speziell für diesen Abend komponierte. Es hat so ein bisschen was von der fabelhaften der Welt der Amélie, sehr französisch. Doch es passt perfekt zu dieser Inszenierung. Natürlich mag es auch sehr frech erscheinen dieses gut-deutsche Drama mit französisch-anmutender Musik zu untermalen, aber im Sinne der Globalisierung darf man das sicher gelten lassen, vielleicht sogar lieben lernen, die Musik als Ohrwurm im Kopf behalten.

Die Regisseurin hat nun die beiden Liebenden und ihre Probleme in ein karges, graues, geometrisches Bühnenbild von Vinzenz Gertler gesetzt – in seiner Kahlheit und Kälte perfekt zeigend, dass hier kein Platz für Gefühle ist. Es gibt nur eine Sache, die hier regiert, die Kabale. Deutliche Brisanz des Themas, das wohl so lange aktuell bleibt, wie der Mensch lebt. Doch ein bisschen Platz für Liebe ist hier noch, die man in einem Meer von Luftballons sehen kann. Sie symbolisieren Freiheit, frei sein wie die Luft, wie die Vögel, die fliegen. Durch diese müssen sich die Schauspieler nun immer durcharbeiten - die Einen, die Kabale schaffenden, haben damit ihre Probleme; die Anderen, die Liebenden, gleiten gerade zu durch diese Seifenblasen. Aber diese Seifenblasen müssen eben am Bühnenboden bleiben, sie können nicht aufsteigen, all diese Träume sind Schäume, können nicht Realität werden. Ferdinands und Luises Liebe steht einfach unter keinem guten Stern.

Frau Kania verzichtet in ihrer Interpretation fast vollständig auf den Standesunterschied, der die Liebe zum Scheitern verurteilt, es geht mehr um den Neid, die Eifersucht in der Gesellschaft – diese Kälte schaffenden Charakteristika, die einen zu unbarmherzigen Intrigen treiben. Man ist nur Maschine, kein Platz ist da mehr für Emotion. Wenn Luise den Liebesbrief an Kalb unterschreiben soll, unterschreibt sie, ohne eine Miene zu verziehen. Eltern retten. Liebe fallen lassen. Was sein muss, muss sein. Kein Ausweg. Keine Lösung. Es gibt keinen Ausweg aus diesem Intrigenspiel. Nur ab und zu blitzt da Temperament durch. Ferdinand und der alte Miller, sie werden durch all das in den Wahnsinn getrieben, nur um der Liebe zu Luise willen. Aber am Ende sind auch sie nur noch resignierende Wesen auf der Präsentationsscheibe der Bühne. Da lässt Ferdinand vor Luises Augen das Gift in die Limonade träufeln, reicht es ihr. Das passiert. Rational. Nicht emotional. Es ist für sie der einzige Weg. Noch ein kurzer Tanz und dann sterben sie. Und die Anderen sehen zu.

Die Schauspieler brillieren mit verschieden Tiefen ihrer Figuren, doch manchmal wirken die Eigenschaften zu aufgedrückt von der Regisseurin, gar nicht zu der Person passend. Darunter leidet vor allem Sophia Harrison als Lady Milford. Sie scheint keinen Weg zur Interpretation gefunden zu haben. Sie geht einem als Hofdame nur auf den Keks. Besonders komisch ist wieder Stefan Wey, der schon vorher durch extreme Rollen auf sich aufmerksam machte. Er spielt den Hofmarschall von Kalb wie eine tratschende Tunte am Abgrund der Klatschhölle. Einfach köstlich.

 
 
 
 
 
Liebesmotiv 3 - Laurent Simonetti
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Aufzeichnung:

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